Schätzungen zufolge leiden in Industrieländern etwa 20 Prozent der Bevölkerung mehr oder weniger stark an einem Reizdarm. Frauen sind dabei rund doppelt so häufig betroffen wie Männer.

DIE TYPISCHEN SYMPTOME Das Reizdarmsyndrom ist eine Krankheit des Verdauungstraktes. Typischerweise treten Bauchschmerzen auf, die mit Verstopfung, Durchfall, einem Wechsel aus beidem sowie häufig auch mit Blähungen und einem Gefühl der unvollständigen Darmentleerung einhergehen.

WAS KANN MAN DAGEGEN TUN? Zur Behandlung bieten sich verschiedenste Ansätze und Präparate an. Wirkungsvoll sind häufig Probiotika, da sie die Darmflora unterstützen und wieder ins Gleichgewicht bringen können. Generell ist bei dieser Therapie Geduld gefragt, denn in der Regel dauert es mehrere Wochen, bis eine Wirkung eintritt. Vielen Patienten hilft auch eine Ernährungsumstellung. Fettarme, leichte Speisen, die reich an Ballaststoffen sind, eignen sich am besten. Auch sollte man mehrere kleine Mahlzeiten zu sich nehmen und vor allem abends auf Rohkost verzichten.

URSACHE STRESS Da ein Reizdarm keine organische Ursache hat, ist eine Diagnose nur im Ausschlussverfahren möglich. Dennoch gibt es verschiedene Ursachen, die einen Reizdarm begünstigen können. Stress und andere psychosomatische Faktoren können die Hauptursache sein, sie scheinen zumindest einen Einfluss auf unseren Darm zu haben. Denn zu viel Stress bringt die Darmaktivität und Immunprozesse durcheinander.

URSACHE ERNÄHRUNG Wie bei vielen Dingen spielt auch beim Reizdarm die Ernährung eine große Rolle. Wahrscheinlich lösen bestimmte Lebensmittel die Beschwerden aus. So vermutet man, dass verschiedene Kohlenhydrate und Zuckeralkohole, auch FODMAPs genannt, die Beschwerden verursachen. Sie sollen von Reizdarmpatienten nur unvollständig im Dünndarm abgebaut werden können. Bakterien im Dickdarm zerlegen die FODMAPs dann, was die typischen Symptome auslösen kann. Zum Teil bereiten auch bestimmte Zucker wie Milch- und Fruchtzucker Probleme oder Gluten und andere Inhaltsstoffe des Weizens.

URSACHE DARMFLORA Menschen mit Reizdarmsyndrom haben häufig eine veränderte Darmflora. Sogenannte Proteo- und Firmicutes-Bakterien kommen zum Beispiel vermehrt vor, während die Anzahl von Acinetobacter-, Bacteroides- und Bifido-Bakterien verringert ist. Aber auch Antibiotika, Magen-Darm-Infektionen und chronischer Stress können zu einer veränderten Darmflora führen.

URSACHE DARMBEWEGUNGEN Bei einem gereizten Darm können die normalerweise rhythmischen Darmbewegungen (die Perestaltik) gestört sein. Der Darminhalt bewegt sich dann entweder langsamer, was zu Verstopfung führt, oder schneller – was zu einer überaktiven Verdauung führt. Die Muskeln neigen außerdem dazu, sich zu verkrampfen, und können Schmerzen verursachen.

gesundleben MAGAZIN 05/2019