Vitamine, Enzyme und Extrakte aus Heilpflanzen können entzündliche Gelenkbeschwerden spürbar lindern

Patienten mit chronisch- entzündlichen Gelenkbeschwerden müssen meist lebenslang Medikamente aus dem Chemielabor einnehmen. Doch die Natur bietet Alternativen, zum Beispiel um außerhalb von akuten Schüben Probleme besser in den Griff zu bekommen. Das hilft, die Beweglichkeit der betroffenen Gelenke zu erhöhen. Durch die unterstützende Anwendung von Heilpflanzen und die richtige Ernährung erhalten viele Patienten das Gefühl, ihre Beschwerden besser kontrollieren zu können und nicht ausschließlich von starken Medikamenten abhängig zu sein. Außerdem lässt sich von Fall zu Fall der Arzneimittelverbrauch reduzieren und dadurch die Verträglichkeit schulmedizinischer Präparate verbessern. „Die Hauptzielrichtung ergänzender Behandlungsverfahren in der Rheumatherapie sind die Symptome der Erkrankung“, stellt Dr. Reinhard Hein, Internist, Rheumatologe und Arzt für Naturheilverfahren in Nienburg, fest. „Gegen die Ursachen der Erkrankungen können sie nicht angehen.“

Was Ernährung bewirkt

Antioxidanzien:

Pflanzliche Nahrungsmittel enthalten eine Reihe von entzündungshemmenden Stoffen. Dazu gehören Vitamin E, Vitamin C sowie die sekundären Pflanzenstoffe Karotin und Lycopin. Sie zählen zu den „Antioxidanzien“, die bei allen Stoffwechselvorgängen anfallende zellschädigende Sauerstoffradikale abfangen können. Ein starkes Antioxidans ist Vitamin E, das reichlich vorhanden ist in Nüssen, Sonnenblumen- und Weizenkeimöl, in Grünkohl, Soja und Weizenkeimlingen. Den Bedarf gesunder Menschen deckt eine ausgewogene Kost. Als Medikament zur Behandlung von entzündlich- rheumatischen und verschleißbedingten Erkrankungen wird Vitamin E in höherer Dosierung ergänzend eingesetzt. In Kombinationspräparaten sind Vitamin E und andere Zellschützer wie Selen, Zink, Vitamin C, Karotin und Lycopin enthalten. Omega-3-Fettsäuren verringern die Bildung schmerzauslösender Prostaglandine in einem akuten Entzündungsprozess. Prostaglandine bilden Entzündungszellen aus einer bestimmten Fettsäure, der Arachidonsäure, die vor allem in fettem Fleisch und Wurstwaren enthalten ist.

Aus diesem Grund sollten sich Rheumapatienten einerseits fleisch- und wurstarm ernähren, andererseits reichlich Omega-3-Fettsäuren zu sich nehmen. Diese stecken vor allem in fettem Seefisch, aber auch in Meeresfrüchten wie der Grünlippmuschel. Für eine entzündungshemmende Wirkung sind in der Regel Präparate empfehlenswert, die Omega-3-Fettsäuren aus Fisch oder Muscheln in ausreichender Menge enthalten.

Enzyme sind Eiweißmoleküle, die in jedem Organismus vorkommen. Bei Gelenkbeschwerden besitzen sie eine abschwellende und schmerzlindernde Wirkung. Für Patienten mit entzündlichem Gelenkrheuma ist es sinnvoll, die Arbeit der Enzyme zu unterstützen. Präparate aus der Apotheke enthalten eine Kombination aus Enzymen pflanzlicher (Bromelain und Papain) und tierischer Herkunft (zum Beispiel Pankreatin oder Trypsin).

Wie Heilpflanzen helfen

Weidenrinde enthält mit Salicin und Salicortin schmerz- und entzündungshemmende Substanzen. Auch salicylsäurehaltige Umschlagspasten, die je nach Bedarf für kühlende oder wärmende Wickel verwendet werden können, haben sich gegen entzündliche Schmerzen etwa in Hand-, Knie- oder Fußgelenken bewährt und können die bei Arthritis eingeschränkte Beweglichkeit wieder verbessern. In Umschlagpasten stecken außerdem Beinwell und schmerzlindernder Arnika-Extrakt.

Teufelskralle:

Extrakte aus der Wurzel der Teufelskralle lindern Entzündung und Schmerz. Ihre Hauptinhaltsstoffe sind die Harpagoside, die auf schmerzvermittelnde Botenstoffe einwirken. Sie sind bei Arthritis als Tabletten und Kapseln verfügbar. Auch bei degenerativen Gelenkbeschwerden (Arthrose) ist die Wirkung der Teufelskralle wissenschaftlich erwiesen.

Brennnesselblätter:

Die Blätter der Brennnessel hemmen die Bildung entzündungsfördernder Substanzen wie Zytokinen. Sie werden als Presssaft oder Kapseln angeboten. Werden Brennnessel- Präparate angewendet, können Arthritis-Patienten nach Absprache mit dem Arzt häufig die Dosis chemischer Medikamente heruntersetzen.

Cayennepfeffer:

Der Hauptwirkstoff des Cayennepfeffers ist Capsaicin. Es beeinflusst die Wahrnehmung und Weiterleitung von Schmerzen. Daher kann es bei Schmerzen des Bewegungsapparates als Salbe, Emulsion oder Wärmepflaster angewendet werden.

Arnika-Extrakt lindert in Salben, Gelen, Fluids und öligen Auszügen entzündliche Gelenkschmerzen. Zu den wirksamen Inhaltsstoffen der gelb blühenden Gebirgspflanze gehören zum Beispiel Helenalin-Derivate.

Kombinations-Präparate

Tinkturen mit Zitterpappelrinde (Espe), Esche und Goldrute wirken bei der unterstützenden Behandlung von Gelenkbeschwerden schmerzlindernd, abschwellend und entzündungshemmend. Je nach Bedarf nimmt der Patient drei- bis viermal täglich 20 bis 30 Tropfen des Präparats ein. Ein aus der Berberitze und dem Giftsumach gewonnenes Komplexmittel hat nach dem homöopathischen Arzneibild eine entzündungshemmende, abschwellende und schmerzlindernde Wirkung.