Rettung durch Elektroschock

Auch Laien können ihre Mitmenschen gefahrlos vor dem plötzlichen Herztod retten – mit dem Defibrillator

Mit einem Stromschlag begann Heiner Müllers (Name geändert) neues Leben. Sein Herz hatte plötzlich verrückt gespielt und rasend schnell geschlagen – geflimmert, wie Mediziner sagen. Der 48-Jährige verlor das Bewusstsein, aber er hatte Glück: In seiner Firma gab es einen Defibrillator. Beherzt beendete ein Kollege die Eskapaden des Herzens mit einem Elektroschock. Geschieht dies innerhalb von drei Minuten, stehen die Chancen sehr gut, dass der Patient ohne Folgeschäden überlebt .

Doch leider sind Notärzte nur in den seltensten Fällen so rasch zur Stelle. Da aber die Handhabung von Defibrillatoren viel einfacher geworden ist und sogar Laien sie bedienen können, werden die Geräte immer öfter an öffentlichen Plätzen angebracht, z.B. im Frankfurter Flughafen oder der Münchner U-Bahn. In den USA findet man sie sogar in Einkaufszentren, Ämtern, Bahnhöfen und Casinos.

Nicht Angst, sonder Beherztheit ist gefragt

Der Laiendefibrillator kann gefahrlos für Retter und Patient eingesetzt werden. Folgen Sie einfach den Anweisungen des Geräts. Es erklärt Ihnen jeden Schritt. Notfallmediziner Dr. Walter Russ erläutert, was Sie beachten müssen:

»Den Defibrillator können Sie verwenden, wenn eine bewusstlose Person nicht atmet und weder auf Ansprechen noch auf Schmerzreize (Zwicken etc.) reagiert.
» Legen Sie den Bewusstlosen auf den Rücken, dann entkleiden Sie seinen Oberkörper.
Nach Einschalten des Geräts werden zwei Elektroden fest auf die trockene Haut geklebt (wenn nötig erst trockenreiben): eine auf der rechten Seite unterhalb des Schlüsselbeins, die andere auf der linke Seite – dort jedoch tiefer (fast in Bauchhöhe) und seitlicher (in der Flanke). Männer mit starkem Haarwuchs müssen dort rasiert werden (Rasierer ist in der Defi-Tasche), damit die Elektroden halten.
»Nun analysiert das Gerät automatisch den Herzrhythmus. Hat es lebensgefährliches Herzrasen bemerkt, erscheint die Anweisung „Schock empfohlen“. Der Defibrillator lädt sich auf, bis eine Taste rot aufleuchtet. „Jetzt Schock auslösen“ erscheint auf der Anzeige.
Drücken Sie die Taste, um den Elektroschock zu starten.
Wichtig: Während des Auslösens darf niemand – auch nicht der Helfer! – den Bewusstlosen berühren.
»Anschließend überprüft das Gerät erneut die Herzaktion des Patienten. War der Schock erfolglos, wird ein weiterer empfohlen (insgesamt zweimal).

Hinweis: »Sie können nichts falsch machen. Ist kein Elektroschock nötig, kann auch keiner ausgelöst werden – das Gerät blockiert ihn. Allerdings sollte der Defibrillator erst bei Personen über acht Jahren oder einem Gewicht ab 35 Kilo angewandt werden.
Mit drei bis acht Prozent Überlebensrate beim plötzlichen Herztod hat Deutschland gegenüber den USA noch einiges nachzuholen: Dort werden rund 15 Prozent erreicht – in einigen Gegenden sogar 60 Prozent. Bestes Beispiel ist Las Vegas: In den Spielcasinos hängen fast ebenso viele Defibrillatoren wie Feuerlöscher.