Was haben homöopathische Mittel mit anthroposophischen Arzneien und Schüßler-Salzen gemein? Sie enthalten potenzierte Substanzen. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Behandlungskonzepte vor.

 

Wer „potenzieren“ hört, denkt automatisch an Homöopathie. Zu diesem weit verbreiteten Bereich der Komplementärmedizin gehört jedoch nicht jedes Arzneimittel, das durch rhythmisches Verdünnen und Verschütteln hergestellt wird. Was alle potenzierten Arzneien gemeinsam haben, ist ihr Herstellungsverfahren. Samuel Hahnemann (1755-1843), der Begründer der Homöopathie, war nicht nur Arzt, sondern auch Chemiker und Pharmazeut. Er beobachtete, wie die Wirkung seiner heilkräftigen Substanzen zunahm, je mehr er sie verdünnte. Nach dem lateinischen Wort potencia  für Kraft nannte er diese Wirkstoffverstärkung potenzieren, jede Verdünnungsstufe bezeichnete er als Potenz.

Worauf das Phänomen beruht, dass homöopathische Arzneien umso stärker wirken, je weniger von der Grundsubstanz in der Verdünnungslösung ist, ist Gegenstand zahlreicher Forschungsarbeiten. Schon nach wenigen Potenzierungsstufen enthält die Flüssigkeit, in der verschüttelt wird, nämlich kaum noch ein Molekül der pflanzlichen, mineralischen oder tierischen Ausgangssubstanz. Wie kann sie dann eine Wirkung entfalten?

Eine mögliche Erklärung: Durch die Energiezufuhr beim Potenzieren werden die Informationen der Ausgangssubstanz in die Flüssigkeit übertragen, die – beispielsweise auf Globuli aufgebracht oder mit Trägersubstanzen in Tabletten gepresst – nach Einnahme im Organismus einen Effekt entfaltet, der die Gesundung unterstützt. Auf diesem Prinzip basieren alle im Folgenden vorgestellten Behandlungskonzepte. Sie unterscheiden sich vor allem in der Herangehensweise bei der Auswahl der passenden Arzneimittel und in ihrer Wirkweise.

Einzelhomöopathie

„Similia similibus curentur“ – Ähnliches kann durch Ähnliches geheilt werden. Dieses Grundprinzip der Homöopathie (altgriechisch hómoios = gleichartig, páthos = Leiden) besagt, dass nur das Mittel wirken kann, das in einer Prüfung am Gesunden die Symptome hervorgerufen hat, an denen der Erkrankte leidet. „Klassisch“ arbeitende Homöopathen setzen dabei auf Einzelmittel, die sie unter Beobachtung von Begleitsymptomen und lindernden oder verschlechternden Einflüssen nach einer ausführlichen Anamnese aus den mehr als 2500 zur Verfügung stehenden Homöopathika auswählen.

Ein Beispiel: Allium cepa (Zwiebel) lindert Schnupfen mit scharfem Nasensekret und mildert Tränenfluss, der sich in einem warmen Zimmer verschlechtert, Euphrasia officinalis (Augentrost) Schnupfen mit mildem Sekret und brennendem Tränenfluss, der sich nachts bessert. Gerade in der Selbstmedikation erfolgt die Mittelwahl aber oft auch nach „bewährten Indikationen“. Dabei kommen Arzneien zum Zug, die der Erfahrung nach am wahrscheinlichsten helfen, beispielsweise Nux vomica (Brechnuss) bei Problemen mit der Verdauung. Das Wirkprinzip ist aber immer dasselbe: Das Mittel setzt im Körper einen Reiz, der die Selbstheilungskräfte anregt und ihn in die Lage versetzt, seine Krankheit mit eigenen Kräften zu heilen.

Komplexmittelhomöopathie

Homöopathische Kombinationsarzneimittel basieren auf der Idee, die Wirkung mehrerer homöopathischer Einzelmittel zu kombinieren. Dadurch entsteht eine Art „Breitbandhomöopathikum“, das symptombezogen – nicht nach der Ähnlichkeitsregel – ausgewählt wird. Meist enthält eine solche Arznei mehrere potenzierte Arzneien in Tiefpotenzen, die der Erfahrung nach bei der Indikation helfen, bei Schwindel beispielsweise, bei Rheuma und Gelenkproblemen, aber auch bei Heuschnupfen oder Migräne. Nicht wenige dieser Mittel sind seit Jahrzehnten auf dem Markt.

Anthroposophische Arzneimittel

Auch in den meisten Arzneien der Anthroposophischen Medizin sind mehrere homöopathische potenzierte Einzelmittel sorgfältig kombiniert. Das Spezielle hier ist die Herangehensweise bei der Mittelfindung, die sich deutlich von der Homöopathie unterscheidet. In der Anthroposophischen Medizin werden nämlich die Besonderheiten der Krankheit mit Entsprechungen in Naturstoffen in Zusammenhang gebracht. Ein Beispiel: Bei Heuschnupfen hat der Körper die Fähigkeit verloren, sich gegenüber seiner Umwelt abzugrenzen. Das Immunsystem gerät aus dem Gleichgewicht und wehrt sich mit Schnupfen und Tränen gegen Stoffe, die es fälschlicherweise als „fremd“ einstuft. Dem begegnet die Anthroposophische Medizin mit der Kraft der Zitrone. Deren dicke Schale schützt das Fruchtfleisch und kann demzufolge im Organismus die Abgrenzungsfähigkeit fördern, zudem wirkt ihr saurer Saft zusammenziehend und bildet damit einen Gegensatz zu der starken Sekretabgabe, die für Heuschnupfen typisch ist.

Schüßler-Salze

Dr. Wilhelm Heinrich Schüler (1821-1898) ging davon aus, dass Krankheit in den Zellen des Körpers entsteht. Sein Ansatz: Schädliche Reize wie Infekte, Stress oder Verletzungen, stören den Mineralstoffhaushalt in den Körperzellen. Langfristig wirkt sich das ungünstig auf die Funktion von Organen und Gewebe aus, Krankheit entsteht. Mit potenzierten Mineralsalzen kommt das Mineralstoffgefüge im Körper wieder in eine gesunde Balance. Sie geben einen Impuls, der die Zellen dazu befähigt, die fehlenden Mineralsalze – die dem Körper beispielsweise über die Nahrung zugeführt werden – besser aufzunehmen und zu verteilen. Auch hier erfolgt die Mittelauswahl nicht nach dem Ähnlichkeitsprinzip. Sie basiert vielmehr auf physiologisch-chemischen Vorgängen auf Zellebene. Nr. 7 Magnesium phosphoricum ist beispielsweise das biochemische Schmerz- und Entkrampfungsmittel. Die Magnesiummoleküle können den raschen Impuls vom Nerv zum Muskel, der letztlich Krampf und Schmerz auslöst, unterbinden und auf diese Weise den Schmerz stillen.

natürlich gesund und munter 6/2018

Wadenwickel bei Fieber kennt jeder. Besonders bei Kindern, die schnell sehr hoch fiebern, kommen sie häufig zum Einsatz. Doch mit den richtigen Umschlägen lassen sich noch viele weitere Erkältungsbeschwerden lindern. Für die Brust, den Hals und sogar die Nase gibt es die passende Methode. Dabei kommen ganz verschiedene Zutaten zum Einsatz. Das Besondere: Sie stammen aus der Speisekammer, nicht aus dem Medizinschrank.

Wadenwickel bei Fieber

Um das Fieber zu senken, werden feuchte Tücher um die Unterschenkel gelegt. Darüber kommt ein trockenes Handtuch. So kühlt die Haut ab, das Fieber sinkt. Es reicht dabei aus, wenn das Wasser ein wenig kälter als die (erhöhte) Körpertemperatur ist. Richtig kalt oder gar eiskalt sollten die Wickel nicht sein. Dann ziehen sich die Gefäße zusammen und der Körper gibt weniger Wärme ab. Die Wadenwickel bleiben etwa fünf bis zehn Minuten auf der Haut. So lange dauert es ungefähr, bis sie die gleiche Temperatur wie der Körper angenommen haben. Ihre kühlende Wirkung verschwindet dann und es ist Zeit, die Umschläge zu wechseln. Auch bei kleinen Kindern kann diese Methode helfen. Allerdings sollten Eltern die Ursache des Fiebers vorher vom Kinderarzt abklären lassen. Steckt eine Blasen- oder Nierenbeckenentzündung hinter dem Fieber, sollten Sie auf Wadenwickel verzichten. Auch wenn das Fieber länger als drei Tage anhält, empfehlt sich, vorsichtshalber zum Arzt zu gehen. Ältere Menschen und chronisch Kranke sollten bei Fieber ebenfalls ärztliche Rücksprache halten.

Halsumschläge bei Entzündungen

Schmerzt es beim Schlucken, greifen wir intuitiv zum Schal, um die betroffene Stelle warm zu halten. Noch effektiver sind allerdings warme Wickel. Sie sorgen dafür, dass die schmerzende Region stärker durchblutet wird. Abwehrzellen gelangen so besser in diesen Bereich und können die Krankheitserreger bekämpfen. Die einfachste Wickel-Variante ist mit warmem Wasser. Tauchen Sie dafür ein Tuch, zum Beispiel aus Baumwolle oder Leinen, hinein und wringen Sie es leicht aus. Sie können statt des warmen Wassers übrigens auch Kartoffeln als Wärmespeicher für den Wickel verwenden. Zerdrücken Sie dazu drei bis vier frisch gekochte Kartoffeln auf einem Tuch, schlagen Sie sie darin ein und lassen Sie das Ganze ein wenig abkühlen. Ideal ist eine Temperatur von etwa 40 Grad. Wenn es am Handgelenk oder der Innenseite des Unterarms angenehm ist, können Sie den Umschlag um den Hals legen. Geben Sie ein Handtuch darüber und fixieren Sie beides mit einem Schal. Der Umschlag bleibt so lange an Ort und Stelle, bis seine wohltuende Wirkung nachlässt.

Nasen-“Wickel“ bei Schnupfen

Eine verstopfte Nase erschwert das Atmen und führt manchmal zu Kopfschmerzen. Dann können Leinsamen-Auflagen helfen, festsitzendes Sekret zu lösen. Kochen Sie dafür eine Tasse der kleinen Körnchen mit zwei Tassen Wasser zu einem Brei. Verteilen Sie diesen auf zwei saugfähige Tücher und schlagen Sie die Masse darin ein. Warten Sie kurz, bis eine für die empfindliche Gesichtshaut angenehme Temperatur erreicht ist, und legen Sie sie links und rechts neben die Nase. Durch die Wärme löst sich das festsitzende Sekret und kann leichter abf ließen. Lassen Sie die Umschläge etwa eine halbe Stunde wirken.

Brustwickel bei Husten

Mit nur wenigen Änderungen werden aus den Halsumschlägen Brustwickel gegen Hustenbeschwerden. Die Wirkweise ist dabei die gleiche: Die Wärme löst festsitzendes Sekret und fördert die Durchblutung. Das unterstützt die körpereigenen Abwehrkräfte. Geben Sie noch ein paar Tropfen ätherisches Thymianöl hinzu. Die Wärme sorgt dafür, dass die flüchtigen Substanzen besonders gut in die Atemwege gelangen. Dort hemmen sie das Bakterienwachstum.

gesundleben MAGAZIN Herbst 2018

„Du bist doch nicht wirklich krank. Das ist doch nur eine Erkältung.“ Diese wenig tröstlichen Worte hören Schnupfnasen immer wieder. Doch auch wenn ein Infekt der oberen Atemwege keine schwere Erkrankung darstellt, so sorgt er doch dafür, dass es den Betroffenen schlecht geht. Mit ätherischen Ölen lassen sich die Beschwerden aber wirkungsvoll lindern. Mit Behandlung dauert eine Erkältung eine Woche und ohne sieben Tage. Es mag wohl sein, dass Betroffene nur wenig ausrichten können, was die Dauer ihrer Krankheit betrifft. Ihre Symptome können sie aber sehr wohl positiv beeinflussen – mit einer Aromatherapie speziell für Erkältungskranke.

Alleskönner Thymianöl

Egal ob Bronchitis, Entzündungen der Nasennebenhöhlen oder ein einfacher Schnupfen: Thymianöl ist die richtige Wahl. Denn es wirkt sowohl antibakteriell als auch antiviral und unterstützt so den Körper dabei, die Krankheitserreger schnell wieder loszuwerden. Geben Sie einfach einige Tropfen in das Badewasser. In der feuchten Luft verteilen sich die ätherischen Öle und gelangen so tief in die Atemwege.

Fichtennadelöl löst Schleim

Ebenfalls ein ganz hervorragender Badezusatz während einer Erkältung sind die ätherischen Öle der Fichtennadel. Gerade bei einer verstopften Nase und festsitzendem Husten schafft ihre schleimlösende Wirkung Erleichterung. Sie sorgen dafür, dass die Nase wieder frei wird und sich Sekret leichter abhusten lässt. Japanisches Heilpflanzenöl Es gibt wohl kaum eine Hausapotheke, in der das japanische Heilpflanzenöl nicht vertreten ist. An seinem typischen Duft, der vor allem auf einen hohen Anteil an Minzöl zurückzuführen ist, erschnuppert man viele Erkältungskranke bereits auf einige Meter Entfernung. Doch die große Beliebtheit hat ihren Grund: Bereits nach ein paar Atemzügen entfaltet die Minze ihre Wirkung und wir können wieder freier durchatmen.

Geben Sie ein bis zwei Tropfen auf ihren Kragen oder einen Schal. Wer den Duft nicht so intensiv mag, kann auch ein wenig auf dem Handgelenk verreiben und immer mal wieder daran reichen. Außerdem können Sie japanisches Heilpflanzenöl zum Inhalieren verwenden. Geben Sie dafür zwei bis drei Tropfen in ein Liter heißes Wasser. Halten Sie die Augen am besten geschlossen, um sie nicht unnötig zu reizen.

Eukalyptus zum Lutschen

Schleimlösend, entzündungshemmend und antiseptisch wirkt Eukalyptus und eignet sich damit sehr gut für die Behandlung von Erkältungsbeschwerden. Ob bei Bronchitis oder Stirn- und Nasennebenhöhlenentzündung, das ätherische Öl darf nicht fehlen. Mit Eukalyptusöl können Sie bei Bedarf inhalieren oder einige Tropfen auf ein Taschentuch geben und sich dieses immer wieder vor die Nase halten und daran schnuppern. Auf die Qualität achten Die ätherischen Öle entfalten ihre Wirkung nur, wenn es sich dabei um qualitativ hochwertige Produkte handelt, die auch wirklich die Inhaltsstoffe enthalten, die die Verpackung verspricht. In unserer Apotheke finden Sie passende Produkte.

VORSICHT: NICHTS FÜR KLEINE KINDER

Bei Säuglingen und Kleinkindern sollten ätherische Öle vorsichtshalber nicht zum Einsatz kommen, denn sie können Atemstörungen auslösen. Greifen Sie hier stattdessen lieber auf passende Produkte speziell für die ganz Kleinen zurück. Wir beraten Sie dazu gerne.

gesundleben MAGAZIN Herbst 2018

Keime, die gesund machen

Eine riesige Zahl kleinster Einzeller lebt in unserem Darm, wo sie bei der Verdauung wesentlich mitarbeiten. Probiotische Lebensmittel sorgen dafür, dass diese Darmflora auch intakt bleibt

Es ist eine schwindelerregende Zahl:

Rund 500 Billionen Bakterien leben in unserem Körper. Auf ein Gewicht umgerechnet entspricht das ungefähr zwei Kilogramm reiner Bakterienmasse. Diese große Menge kleiner Einzeller helfen uns, Nahrung zu verdauen. Mehr als 400 verschiedene Bakterienarten spalten im Dickdarm alles, was unsere Verdauungsenzyme nicht schaffen. Sie mischen auch kräftig bei der Arbeit des Immunsystems mit. Zudem produzieren sie wichtige Vitalstoffe, unter anderem die Folsäure und die Vitamine B2, B6 und B12.

Fitmacher für die Darmflora

In der Fachsprache nennt man diese biologisch ausgewogene Besiedelung des Darms auch „Darmflora“. Eine Störung dieses Gleichgewichts kann Verdauungsprobleme auslösen und unser Immunsystem schwächen. Meist sind es Darmerkrankungen oder eine Therapie mit bestimmten Antibiotika, die die Balance der Darmflora beeinflussen. Auch durch einseitige Ernährung, Stress oder Alkoholgenuss kann sie aus ihrem Gleichgewicht geraten und zum Beispiel unangenehme Durchfälle verursachen.

Für Bakterien-Nachschub sorgen

Abhilfe schafft eine Zufuhr bestimmter Mikroorganismen, die unschädlich sind, weil sie ohnehin zur natürlichen Darmflora gehören und diese deshalb bei der Regeneration unterstützen. Verdauungsbeschwerden werden schneller gelindert, da diese Keime schädliche Erreger in Schach halten, die Ansiedlung erwünschter Keime fördern und das Immunsystem regulieren. Weil diese „guten“ Mikroorganismen keine Kolonien bilden, müssen sie regelmäßig eingenommen werden, um eine spürbare Wirkung zu erzielen. Sie werden zum Beispiel in Lebensmitteln angereichert, die dann als Probiotika bezeichnet werden. Am bekanntesten sind die Milchsäurebakterien, die auch in probiotischen Milchprodukten wie Dickmilch, Joghurt oder Kefir und auch in milchsauer vergorenem Gemüse (Sauerkraut) enthalten sind. Bei der Verstoffwechselung von Nahrungsbestandteilen durch die Darmflora produzieren sie auch Milchsäure. Dadurch sinkt der pH-Wert im Darm, und das macht Krankheitserregern das Leben schwer. Wichtig ist, dass die probiotischen Keime in ausreichender Menge lebend in den Darm gelangen. Geeignet sind vor allem solche Stämme, die gegen unsere Verdauungssäfte einigermaßen resistent sind, wie beispielsweise das Lactobacillus acidophilus. Neben Milchsäurebakterien zählen Bifidobakterien zu den meistverbreiteten probiotischen Keimen.

Erfreulicher Nebeneffekt:Laktoseunverträglichkeit wird gelindert

Weil Joghurtkulturen bei der Energiegewinnung Milchzucker verbrauchen, können probiotische Joghurte eine Laktoseunverträglichkeit lindern. Selbst im Dünndarm können die lebenden Bakterien Milchzucker spalten.

Unterstützung für die Abwehr

Speziell aufbereitete probiotische Keime werden auch gezielt als Arznei eingesetzt. Als Magen-Darm-Mittel, zur Abwehrstärkung sowie im gynäkologischen und urologischen Bereich sind Präparate erhältlich mit Kulturen von Laktobazillen, Bifidobakterien, Escherichia coli, Enterococcus faecalis oder mit abgetöteten Bakterien und Stoffwechselprodukten der Keime.

Nützliche Kollegen:Hefepilze

Auch lebende Hefepilzkulturen wie Saccharomyces boulardii werden zur Regeneration der Darmflora eingesetzt. Sie sind besser magensaftresistent, wirken ebenfalls keimhemmend und immunstimulierend, sie neutralisieren Giftstoffe von Krankheitserregern, stärken die Darmschleimhaut und fördern die Verdauung. Bei akuten Durchfällen kann sich die Erkrankungsdauer verkürzen. Zudem lindern sie den typischen Durchfall während oder nach -einer Antibiotika-Therapie. Und wer -bereits fünf Tage vor Antritt einer Reise mit der Einnahme entsprechender Präparate beginnt, kann sogar sein Reisedurchfallrisiko senken. Selbst Kinder können von Saccharomyces-Präparaten profitieren.

Inulin und Oligofruktose: Nahrung für die Keime

Zur Stärkung der im Darm vorhandenen Kulturen sind Präparate mit Kohlenhydraten wie Inulin oder Oligofruktose erhältlich. Diese Präbiotika sind im oberen Darmtrakt unverdaulich. Sie dienen als Nahrung für die „guten“ Darmbakterien und fördern somit deren Ansiedlung und Vermehrung. Zudem regen sie als Ballaststoffe die Verdauung an. Kombinationen aus Pro- und Präbiotika heißen Synbiotika. Sie sind ebenfalls als Fertigpräparate in der Apotheke erhältlich. Ihrem Darm tun Sie mit den gesunden Kulturen in jedem Fall etwas Gutes.

Apotheken Umschau

Unerklärliche Schmerzen

Rund drei Millionen Deutsche leiden an Fibromyalgie, einer nicht entzündlichen Form von Weichteilrheumatismus. Was ist Fibromyalgie genau, Warum ist es so schwer zu diagnostizieren und was kann man dagegen tun

Die meisten Patienten sind Frauen. Diese Besonderheit wird unter anderem mit hormonellen Umstellungen zu Beginn der Wechseljahre erklärt. Betroffene haben Schmerzen im Nacken, am Rücken, in Armen und Beinen, am ganzen Körper. Oft beginnt das Leiden Ende 30 und wird erst Jahre später, nach Ausschluss anderer Krankheiten, diagnostiziert.

Beschwerden:

Die Fibromyalgie entwickelt sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg. Bei etwa der Hälfte aller Patienten sind dabei Wellenbewegungen mit zeitweiliger Verbesserung und Verschlechterung festzustellen. Im Tagesverlauf sind die Beschwerden meist morgens am schlimmsten, besonders stark zeigen sich die Symptome im Frühjahr und Herbst. Betroffene leiden unter diffusen (dumpfen, brennenden) Schmerzen, die hauptsächlich im Kreuz und an der Halswirbelsäule auftreten, aber auch an Schultern, Ellenbogen und Händen, an Knien und Sprunggelenken, an Hinterkopf und Brustbein, im Gesicht und am Kiefer. Das Zentrum liegt dabei fast immer in der Nähe von Gelenken, wobei diese selbst nicht beeinträchtigt werden.

Hinzu kommt eine ganze Reihe weiterer Symptome, die nicht zwangsläufig zum Krankheitsbild gehören, etwa Kopfschmerzen, Taubheitsempfinden an Händen und Füßen, Magen-Darm-Beschwerden, Menstruationsschmerzen, Herzjagen, das Gefühl von Atemnot. Außerdem klagen viele Patienten über erhöhte Schmerzempfindlichkeit, Angstgefühle und Depressionen.

Weil sich die Schmerzen nicht nur beim Sitzen, sondern auch bei längerem Liegen verstärken, leiden viele Fibromyalgie-Kranke unter Ein- und Durchschlafstörungen sowie den damit verbundenen Erschöpfungszuständen und Konzentrationsschwierigkeiten. Diese Fülle an Beschwerden macht es ihnen schwer, ein normales Leben zu führen – im Berufsleben wie auch in der Freizeit.

Ursachen:

Welche Ursachen die Fibromyalgie hat, ist derzeit nicht gesichert.
Verschiedene Auslöser werden diskutiert: Stress im häuslichen Alltag und im Beruf, schwere (andere) Krankheiten, starkes Übergewicht und Fehlhaltungen, körperliche wie seelische Schocks (ein selbst erlebter Unfall ebenso wie ein Todesfall in der Familie).
Die Forschung hat ein paar weitere „Verdächtige“ im Visier, etwa Stoffwechselstörungen, eine zu niedrige oder zu hohe Kortisol-Produktion, eine Art Energiekrise in der Muskulatur, unregelmäßige Blutzirkulation in bestimmten Gehirnabschnitten sowie eine spezielle Form von zu niedrigem Blutdruck.

Eventuell dringen auch Stoffwechselprodukte aus den Muskelfasern und reizen die Schmerzfasern. Und um das Verwirrspiel zu vollenden, kann die Krankheit offenbar auch ohne jeglichen ersichtlichen Grund ausbrechen.

Der Begriff Fibromyalgie setzt sich aus dem lateinischen „fibra“ und den griechischen Vokabeln „mys“, „algos“ und „ia“ zusammen. Wörtlich bedeutet das Fasermuskelschmerzzustand. Bekannt waren derartige Schmerzen bereits in der Antike. Vor rund 200 Jahren wurden erstmals die für diese Krankheit typischen Tender points (Schmerzpunkte) erwähnt, 1968 erste Fälle konkret beschrieben.

Dass es sich um eine nicht entzündliche Form von Muskelrheumatismus handelt, wurde den Medizinern erst 1980 klar. Vor gut zehn Jahren schließlich erkannte die Weltgesundheitsorganisation WHO die Fibromyalgie, seltener auch als Fibrositis oder Generalisierte Tendomyopathie (GTM) bezeichnet, offiziell als Krankheit an.

Diagnose:

Im Normalfall wird ein Arzt auf Grund der zahlreichen und unspezifischen Symptome zunächst eine ganze Reihe anderer möglicher Krankheiten vermuten. Erst wenn diese mit Hilfe geeigneter Untersuchungen (z.B. Labortests, Ultraschall, Röntgenaufnahmen, Kernspintomographie) ausgeschlossen werden konnten, wird der Mediziner anhand eines relativ einfachen Tests versuchen festzustellen, ob seine Patientin bzw. sein Patient unter Fibromyalgie leidet:

1. Treten seit mehr als einem Vierteljahr diffuse (dumpfe, brennende) Rückenschmerzen auf?

2. Hat der Patient außerdem Schmerzen in den Armen oder Beinen?

3. Sind die meisten der typischen Schmerzdruckpunkte (Tender points) bei ihm schmerzempfindlich?

Lautet die Antwort auf alle drei Fragen „Ja“, liegt die Diagnose Fibromyalgie relativ nahe. Bei einem Nein muss die Diagnose anhand weiterer Fragen weiter eingegrenzt werden.

Behandlung:

Fibromyalgie ist eine chronische Erkrankung. Weil die Symptome oft sehr unspezifisch sind, wird in den meisten Fällen zunächst eine ganze Reihe anderer Diagnosen gestellt. Bis sich das Krankheitsbild so deutlich ausgeprägt hat, dass es eindeutig diagnostiziert werden kann, vergeht in der Regel ein Zeitraum von bis zu zehn Jahren.

Weil es sich um einen nicht entzündlichen Weichteilrheumatismus handelt, helfen Rheumamittel nicht; dasselbe gilt für Kortisonpräparate, Schmerzmittel und – bis auf wenige Ausnahmen – muskelentspannende Medikamente. Bewährt haben sich einige niedrig dosierte Antidepressiva. Manch einem verschaffen Massagen und Wärmebehandlungen mit Fango Linderung, anderen ein Besuch in der Kältekammer. Auch Dehnübungen und Entspannungstraining, Kurse zur Körperwahrnehmung oder Gesprächsrunden mit einem Psychologen zum Umgang mit der Fibromyalgie im Alltag können helfen.

In Erprobung befinden sich Medikamente, die Überträgerstoffe (Serotonin) im Gehirn beeinflussen sollen. Das Ziel: Schmerzfreiheit und ruhiger Schlaf.