Frauen- und Männerkörper ticken in vielerlei Hinsicht anders. So variieren die Symptome für einen Herzinfarkt zwischen den Geschlechtern enorm. Weiß man um diesen entscheidenden Unterschied, können viele Leben gerettet werden.

Noch immer sterben durchschnittlich mehr Frauen als Männer an Herzinfarkt. Das liegt vor allem daran, dass die Symptome bei Frauen oftmals nicht erkannt werden. Denn anders als bei Männern äußern sie sich nicht nur durch die klassischen Erkennungszeichen wie etwa Schmerzen im Brustraum, die in verschiedene Körperregionen ausstrahlen, sondern auf verschiedene Weise.

Herzinfarkte bei Frauen machen sich vielfach mit unspezifischen Symptomen bemerkbar: Kurzatmigkeit, ungewöhnliche Müdigkeit und Schwäche sowie Schlafstörungen, Übelkeit und Erbrechen oder Bauchweh. Eine weitere Besonderheit betrifft bei Frauen die Symptome im Brustbereich. Statt starker Schmerzen handelt es sich dabei im Vergleich zu Männern deutlich häufiger um ein Druck oder Engegefühl.

Ob Frau oder Mann – den Symptomen und dem lebensbedrohlichen Vorfall geht eine Arterienverkalkung voraus: Die Herzkranzgefäße verengen sich, die Durchblutung wird behindert, zuletzt verschließt sich ein Gefäß. Wenn der Blutfluss nicht schnell wiederhergestellt werden kann, sind die Herzmuskelzellen im Versorgungsgebiet der verschlossenen Arterie nach spätestens zwei bis vier Stunden abgestorben.

Nicht nur bei den Symptomen bestehen zwischen den Geschlechtern große Differenzen. Auch beispielsweise beim Alter, in dem Herzinfarkte typischerweise auftreten. Bei Frauen kommen sie erst ab einem Alter von etwa 60 Jahren häufiger vor, während Männer in der Regel schon deutlich früher betroffen sind. Denn Frauen sind bis zu den Wechseljahren relativ resistent gegen die koronare Herzerkrankung.

Mit der nachlassenden Hormonproduktion nimmt jedoch auch der Schutz ab. Auch bei der Zuckerkrankheit, Diabetes mellitus, zeigen sich signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Frauen haben ein dreifach höheres Herzinfarkt-Risiko als Männer. Es steigt sogar auf das Zwanzigfache für Raucherinnen, die zudem die Pille nehmen.

Glücklicherweise gibt es verschiedene Maßnahmen, die das Risiko eines Herzinfarktes deutlich senken können. Übergewicht abbauen gehört dazu, ebenfalls den Körper moderat zu trainieren. Schon zweieinhalb Stunden Bewegung pro Woche halten Herz und Kreislauf fit.

Auch die typische Mittelmeerküche mit viel Obst, Gemüse, Fisch und Olivenöl ist eine gute Prävention. Die allerwichtigste Maßnahme ist jedoch, da sind sich alle Mediziner einig, das Rauchen aufzugeben. Besonders im Zusammenhang mit der Pille werden die Glimmstängel zur tödlichen Gefahr.

gesundleben MAGAZIN 04/2019

Sport für Herz und Gefäße

Auch bei erkrankten Herzkranzgefäßen wirkt körperliche Aktivität positiv

Eine Studie von Professor Rainer Hambrecht vom Herzzentrum Bremen zeigt, dass Ausdauersport Vorstufen von Gefäßwandzellen aus dem Knochenmark freisetzt. Diese können in schlecht durchbluteten Bereichen des Herzmuskels zur Bildung neuer Gefäße beitragen.

Zudem weitet Sport die Kranzgefäße und ermöglicht damit eine bessere Durchblutung des Herzmuskels.

Wichtig: Die Patienten sollten das Training stets mit ihrem Arzt abstimmen.

Öfter kontrollieren, besser leben

Der Piks lohnt sich:

Diabetiker, die ihre Blutzuckerwerte regelmäßig checken, kommen besser zurecht.

„Wenn Sie nicht Diät halten, müssen Sie irgendwann Insulin spritzen.“ Mit dieser Drohung haben früher viele Ärzte versucht, ihre Patienten mit Typ-2-Diabetes dazu zu bringen, abzunehmen. Heute sind Mediziner davon abgekommen, Patienten durch die Angst vor der Nadel zur Diät zu zwingen. Das Umdenken hat zwei Gründe: „Erstens kann ich niemanden motivieren, indem ich ihm Angst mache. Und zweitens hat das Insulinspritzen auch seine Vorteile“, meint Diabetologe Dr. Bernd Ruhland.

Der Hintergrund:

Studien zeigen, dass der Blutzuckerspiegel eines Diabetikers dem eines Gesunden möglichst ähnlich sein sollte. Denn dann ist das Risiko für Folgeschäden an Augen, Nieren und den großen Blutgefäßen am geringsten. Das belegt beispielsweise die UKPDS Studie, die mehr als 5000 britische Typ-2-Diabetiker ab dem Zeitpunkt der Diagnose über zehn Jahre verfolgte.
Studien ergaben auch, dass bei vielen Typ-2-Diabetikern normale Blutzuckerwerte am besten mit einer Insulintherapie zu erreichen sind. Grund genug, warum Ärzte gut daran tun, ihren Patienten nicht mehr mit der Spritze zu drohen.

Nur das Messgerät zeigt die wahre Gefahr

Ein erhöhter Blutzuckerspiegel, der das Risiko der Folgeerkrankungen steigert, macht keine Beschwerden. Der Patient merkt erst etwas, wenn der Blutzuckerspiegel völlig außer Kontrolle geraten ist. Dann treten Beschwerden wie starker Harndrang, Durstgefühl und Abgeschlagenheit auf. Deshalb ist die Selbstmessung des Blutzuckerspiegels der einzige Weg, herauszufinden, ob die Werte in Ordnung sind. Die einfachste und billigste Methode zur Selbstmessung sind Teststreifen. Sie geben einen Tropfen Blut auf das Testfeld des Streifens. Nach einer Zeit schlägt die Farbe im Testfeld um. Je höher der Blutzuckerspiegel, desto intensiver der Farbumschlag. Mit Hilfe einer Farbskala lässt sich der Blutzuckerwert abschätzen.

Das Verfahren ist jedoch ungenau und fehleranfällig. So können schwierige Lichtverhältnisse und Sehstörungen zu Ablesefehlern führen. Es eignet sich deshalb für Patienten, die nur grobe Richtwerte brauchen, weil sie zum Beispiel ihren Diabetes mit Ernährung, Gewichtsreduktion und Bewegung im Griff haben. Alle anderen Patienten fahren mit elektronischen Messgeräten aus der Apotheke besser. Sie kosten zwischen 40 und 60 Euro; Spezialgeräte, zum Beispiel für Blinde, können aber auch sehr viel teurer sein. Um ein Gerät zu finden, das alle Erfordernisse erfüllt, sollten Sie sich vorher folgende Fragen stellen:

Welche Blutmenge wird für das Messen benötigt?

Für kleine Kinder und ältere Menschen mit trocken-faltiger Haut sollte es ein Gerät sein, das mit möglichst wenig Blut auskommt – etwa zwei Mikroliter oder weniger. Deshalb ist es sinnvoll, ein übliches Gerät mit einer Vakuum-Stechhilfe zu ergänzen oder ein spezielles Gerät zu kaufen, bei dem die Stechhilfe integriert ist. So wird die Blutgewinnung aus Unterarm oder Daumenballen möglich.

Ist das Gerät leicht zu bedienen?

Für Kinder und Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit der Hände gibt es Geräte, bei denen kein Schalter betätigt werden muss.

Sind Sie viel unterwegs?

Dann brauchen Sie ein besonders handliches, aber robustes Gerät mit einer passenden Tragetasche.

Wie viele und welche Daten soll das Gerät speichern?

Manche Geräte speichern bis zu 1000 Datensätze (Datum, Uhrzeit, Messwert). Tipp für PC-Besitzer: Es gibt auch Geräte mit einer Schnittstelle, die den Anschluss an den Computer ermöglicht.

Wann und wie oft Sie messen sollten, hängt auch davon ab, wie Sie den Diabetes behandeln.
Kein starres Messschema gibt es bei der intensivierten Insulintherapie. Diese Form der Behandlung ist für Typ-1-Diabetes inzwischen Standard, gewinnt aber auch bei der Therapie des Typ-2-Diabetes zunehmend an Bedeutung. Dabei spritzt sich der Patient ein- bis zweimal täglich ein lang wirkendes und zusätzlich vor jeder Mahlzeit eine Dosis kurz wirkendes Insulin. Mit einer intensivierten Insulintherapie behandelte Diabetiker sollten vor jeder Mahlzeit und vor jeder Insulininjektion den Blutzuckerspiegel messen.
Protokollieren Sie Ihre Messwerte zuverlässig, wenn Ihr Gerät keine Speicherfunktion hat. Entsprechende Tagebücher gibt es bei den Herstellern der Messgeräte. Bei Ausreißern sollten Sie zusätzlich vermerken, was nach Ihrer Meinung zur Abweichung geführt hat. Das Protokoll sollten Sie bei der Kontrolluntersuchung mit Ihrem Arzt besprechen.

Besondere Lebensumstände machen Extramessungen nötig

Es ist im Prinzip möglich, dass die Krankenkasse die Kosten für ein Blutzuckermessgerät teilweise oder sogar vollständig übernimmt. Auch Zubehör wie Lanzetten oder Teststreifen kann Ihnen der Arzt verordnen. Ganz wichtig ist hierfür aber das richtige Vorgehen: Klären Sie zunächst mit dem Arzt ab, ob ein Gerät nötig ist, und reichen Sie dann einen entsprechenden Antrag bei der Krankenkasse ein. Kaufen Sie das Gerät erst, wenn der Bescheid der Kasse da ist – wer anders vorgeht, bekommt das Messgerät im Nachhinein oft nicht erstattet.
Zusätzliche Messungen können nötig sein, wenn Lebensumstände den Stoffwechsel weniger stabil machen und den Insulinbedarf im Einzelfall erhöhen oder erniedrigen können: akute Infekte, Bettlägerigkeit, Schwangerschaft oder vermehrte sportliche Betätigung. Fragen Sie Ihren Arzt, welche Extramessungen nötig sind.

Machen Sie ein bisschen Druck!

Krampfadern sind für viele Schwangere ein Problem, Füße und Knöchel schwellen häufig stark an. Kompression von außen treibt die erweiterten Venen in die Enge

Krampfadern an müden, schweren Beinen – geschwollene Knöchel und Füße – Brennen und Kribbeln der gespannten Haut: Alles Symptome der so genannten Veneninsuffizienz, an denen etwa jeder zweite Deutsche leidet. Dass es doppelt so viele Frauen wie Männer trifft, hat auch mit Schwangerschaften zu tun.

Bei jeder dritten Frau, die ihr erstes Kind erwartet, treten erstmals Krampfadern auf. Warum? Anhaltend hohe Spiegel der Schwangerschaftshormone Östrogen und Progesteron lockern das Bindegewebe: Die Venen erschlaffen und werden durchlässiger für Gewebsflüssigkeit.

So kann eine Schwangerschaft das Übel auslösen, zumal wenn Sie einen Beruf ausüben, bei dem Sie viel sitzen oder stehen müssen und/oder wenn eine Erbanlage für Krampfaderleiden noch hinzukommt. Die Venen weiten sich bei Belastung übermäßig ; die Venenklappen, die wie Ventile arbeiten, schließen nicht mehr richtig. Es kommt zu einem Blutstau, der Druck steigt und Blutserum tritt durch die Gefäßwände ins Gewebe über: Es bildet sich „Wasser in den Füßen“, die Beine fühlen sich müde und schwer an.

Was können Sie gegen Ihr Venen-Problem tun?

Merken Sie sich LLL: Lobenswert ist laufen und liegen.
Und merken Sie sich SSS: Schlecht ist viel sitzen und stehen.
Wie Gift für Ihre Venen wirken: hohe Absätze, hohe Temperaturen: heiße Bäder, Sauna, Heizkissen, lange Auto-, Bus- oder Flugreisen

Was tut Ihren Venen gut?

Kompressionsstrümpfe geben den erweiterten Venen den nötigen Wanddruck zurück, der Blutfluss kommt wieder in Schwung.
Je nach Beschwerdebild gibt es vier Klassen. Bei leichten Problemen genügen Kompressionsstrümpfe in Konfektionsgrößen. In der Schwangerschaft empfiehlt sich jedoch meist eine Maßanfertigung. Der Arzt kann auch spezielle Kompressionsstrumpfhosen mit dehnbarem Bauchbereich verordnen. Die Strumpfhose hat den Vorteil, dass sie die schwangerschaftstypischen Venenerweiterungen im Genitalbereich (Vulva-Varizen) abdeckt.

Gut für Ihre Venen ist: viel Bewegung, Schwimmen bei Wassertemperaturen bis 28°C, Bein- und Fußgymnastik, Füße hochlegen, flache, bequeme und nicht zu enge Schuhe, täglich „kneippen“: kalte Güsse auf Unter- und Oberschenkel oder kalte Waschungen, richtig sitzen: Füße flach aufstehen lassen, Fuß im Sitzen auf- und abbewegen, öfter aufstehen und umhergehen, Kompressionsstrümpfe oder-strumpfhose tragen.

Die Verwendung so genannter „Ödemprotektiva“ wie Extrakte aus Rosskastanie, Mäusedorn und Steinklee sollten Schwangere ausführlich mit Ihrem Arzt oder Ihrem Apotheker abstimmen. Ödemprotektiva mindern die Durchlässigkeit der erweiterten Gefäßwände.

Rettung durch Elektroschock

Auch Laien können ihre Mitmenschen gefahrlos vor dem plötzlichen Herztod retten – mit dem Defibrillator

Mit einem Stromschlag begann Heiner Müllers (Name geändert) neues Leben. Sein Herz hatte plötzlich verrückt gespielt und rasend schnell geschlagen – geflimmert, wie Mediziner sagen. Der 48-Jährige verlor das Bewusstsein, aber er hatte Glück: In seiner Firma gab es einen Defibrillator. Beherzt beendete ein Kollege die Eskapaden des Herzens mit einem Elektroschock. Geschieht dies innerhalb von drei Minuten, stehen die Chancen sehr gut, dass der Patient ohne Folgeschäden überlebt .

Doch leider sind Notärzte nur in den seltensten Fällen so rasch zur Stelle. Da aber die Handhabung von Defibrillatoren viel einfacher geworden ist und sogar Laien sie bedienen können, werden die Geräte immer öfter an öffentlichen Plätzen angebracht, z.B. im Frankfurter Flughafen oder der Münchner U-Bahn. In den USA findet man sie sogar in Einkaufszentren, Ämtern, Bahnhöfen und Casinos.

Nicht Angst, sonder Beherztheit ist gefragt

Der Laiendefibrillator kann gefahrlos für Retter und Patient eingesetzt werden. Folgen Sie einfach den Anweisungen des Geräts. Es erklärt Ihnen jeden Schritt. Notfallmediziner Dr. Walter Russ erläutert, was Sie beachten müssen:

»Den Defibrillator können Sie verwenden, wenn eine bewusstlose Person nicht atmet und weder auf Ansprechen noch auf Schmerzreize (Zwicken etc.) reagiert.
» Legen Sie den Bewusstlosen auf den Rücken, dann entkleiden Sie seinen Oberkörper.
Nach Einschalten des Geräts werden zwei Elektroden fest auf die trockene Haut geklebt (wenn nötig erst trockenreiben): eine auf der rechten Seite unterhalb des Schlüsselbeins, die andere auf der linke Seite – dort jedoch tiefer (fast in Bauchhöhe) und seitlicher (in der Flanke). Männer mit starkem Haarwuchs müssen dort rasiert werden (Rasierer ist in der Defi-Tasche), damit die Elektroden halten.
»Nun analysiert das Gerät automatisch den Herzrhythmus. Hat es lebensgefährliches Herzrasen bemerkt, erscheint die Anweisung „Schock empfohlen“. Der Defibrillator lädt sich auf, bis eine Taste rot aufleuchtet. „Jetzt Schock auslösen“ erscheint auf der Anzeige.
Drücken Sie die Taste, um den Elektroschock zu starten.
Wichtig: Während des Auslösens darf niemand – auch nicht der Helfer! – den Bewusstlosen berühren.
»Anschließend überprüft das Gerät erneut die Herzaktion des Patienten. War der Schock erfolglos, wird ein weiterer empfohlen (insgesamt zweimal).

Hinweis: »Sie können nichts falsch machen. Ist kein Elektroschock nötig, kann auch keiner ausgelöst werden – das Gerät blockiert ihn. Allerdings sollte der Defibrillator erst bei Personen über acht Jahren oder einem Gewicht ab 35 Kilo angewandt werden.
Mit drei bis acht Prozent Überlebensrate beim plötzlichen Herztod hat Deutschland gegenüber den USA noch einiges nachzuholen: Dort werden rund 15 Prozent erreicht – in einigen Gegenden sogar 60 Prozent. Bestes Beispiel ist Las Vegas: In den Spielcasinos hängen fast ebenso viele Defibrillatoren wie Feuerlöscher.