Öfter kontrollieren, besser leben

Der Piks lohnt sich:

Diabetiker, die ihre Blutzuckerwerte regelmäßig checken, kommen besser zurecht.

„Wenn Sie nicht Diät halten, müssen Sie irgendwann Insulin spritzen.“ Mit dieser Drohung haben früher viele Ärzte versucht, ihre Patienten mit Typ-2-Diabetes dazu zu bringen, abzunehmen. Heute sind Mediziner davon abgekommen, Patienten durch die Angst vor der Nadel zur Diät zu zwingen. Das Umdenken hat zwei Gründe: „Erstens kann ich niemanden motivieren, indem ich ihm Angst mache. Und zweitens hat das Insulinspritzen auch seine Vorteile“, meint Diabetologe Dr. Bernd Ruhland.

Der Hintergrund:

Studien zeigen, dass der Blutzuckerspiegel eines Diabetikers dem eines Gesunden möglichst ähnlich sein sollte. Denn dann ist das Risiko für Folgeschäden an Augen, Nieren und den großen Blutgefäßen am geringsten. Das belegt beispielsweise die UKPDS Studie, die mehr als 5000 britische Typ-2-Diabetiker ab dem Zeitpunkt der Diagnose über zehn Jahre verfolgte.
Studien ergaben auch, dass bei vielen Typ-2-Diabetikern normale Blutzuckerwerte am besten mit einer Insulintherapie zu erreichen sind. Grund genug, warum Ärzte gut daran tun, ihren Patienten nicht mehr mit der Spritze zu drohen.

Nur das Messgerät zeigt die wahre Gefahr

Ein erhöhter Blutzuckerspiegel, der das Risiko der Folgeerkrankungen steigert, macht keine Beschwerden. Der Patient merkt erst etwas, wenn der Blutzuckerspiegel völlig außer Kontrolle geraten ist. Dann treten Beschwerden wie starker Harndrang, Durstgefühl und Abgeschlagenheit auf. Deshalb ist die Selbstmessung des Blutzuckerspiegels der einzige Weg, herauszufinden, ob die Werte in Ordnung sind. Die einfachste und billigste Methode zur Selbstmessung sind Teststreifen. Sie geben einen Tropfen Blut auf das Testfeld des Streifens. Nach einer Zeit schlägt die Farbe im Testfeld um. Je höher der Blutzuckerspiegel, desto intensiver der Farbumschlag. Mit Hilfe einer Farbskala lässt sich der Blutzuckerwert abschätzen.

Das Verfahren ist jedoch ungenau und fehleranfällig. So können schwierige Lichtverhältnisse und Sehstörungen zu Ablesefehlern führen. Es eignet sich deshalb für Patienten, die nur grobe Richtwerte brauchen, weil sie zum Beispiel ihren Diabetes mit Ernährung, Gewichtsreduktion und Bewegung im Griff haben. Alle anderen Patienten fahren mit elektronischen Messgeräten aus der Apotheke besser. Sie kosten zwischen 40 und 60 Euro; Spezialgeräte, zum Beispiel für Blinde, können aber auch sehr viel teurer sein. Um ein Gerät zu finden, das alle Erfordernisse erfüllt, sollten Sie sich vorher folgende Fragen stellen:

Welche Blutmenge wird für das Messen benötigt?

Für kleine Kinder und ältere Menschen mit trocken-faltiger Haut sollte es ein Gerät sein, das mit möglichst wenig Blut auskommt – etwa zwei Mikroliter oder weniger. Deshalb ist es sinnvoll, ein übliches Gerät mit einer Vakuum-Stechhilfe zu ergänzen oder ein spezielles Gerät zu kaufen, bei dem die Stechhilfe integriert ist. So wird die Blutgewinnung aus Unterarm oder Daumenballen möglich.

Ist das Gerät leicht zu bedienen?

Für Kinder und Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit der Hände gibt es Geräte, bei denen kein Schalter betätigt werden muss.

Sind Sie viel unterwegs?

Dann brauchen Sie ein besonders handliches, aber robustes Gerät mit einer passenden Tragetasche.

Wie viele und welche Daten soll das Gerät speichern?

Manche Geräte speichern bis zu 1000 Datensätze (Datum, Uhrzeit, Messwert). Tipp für PC-Besitzer: Es gibt auch Geräte mit einer Schnittstelle, die den Anschluss an den Computer ermöglicht.

Wann und wie oft Sie messen sollten, hängt auch davon ab, wie Sie den Diabetes behandeln.
Kein starres Messschema gibt es bei der intensivierten Insulintherapie. Diese Form der Behandlung ist für Typ-1-Diabetes inzwischen Standard, gewinnt aber auch bei der Therapie des Typ-2-Diabetes zunehmend an Bedeutung. Dabei spritzt sich der Patient ein- bis zweimal täglich ein lang wirkendes und zusätzlich vor jeder Mahlzeit eine Dosis kurz wirkendes Insulin. Mit einer intensivierten Insulintherapie behandelte Diabetiker sollten vor jeder Mahlzeit und vor jeder Insulininjektion den Blutzuckerspiegel messen.
Protokollieren Sie Ihre Messwerte zuverlässig, wenn Ihr Gerät keine Speicherfunktion hat. Entsprechende Tagebücher gibt es bei den Herstellern der Messgeräte. Bei Ausreißern sollten Sie zusätzlich vermerken, was nach Ihrer Meinung zur Abweichung geführt hat. Das Protokoll sollten Sie bei der Kontrolluntersuchung mit Ihrem Arzt besprechen.

Besondere Lebensumstände machen Extramessungen nötig

Es ist im Prinzip möglich, dass die Krankenkasse die Kosten für ein Blutzuckermessgerät teilweise oder sogar vollständig übernimmt. Auch Zubehör wie Lanzetten oder Teststreifen kann Ihnen der Arzt verordnen. Ganz wichtig ist hierfür aber das richtige Vorgehen: Klären Sie zunächst mit dem Arzt ab, ob ein Gerät nötig ist, und reichen Sie dann einen entsprechenden Antrag bei der Krankenkasse ein. Kaufen Sie das Gerät erst, wenn der Bescheid der Kasse da ist – wer anders vorgeht, bekommt das Messgerät im Nachhinein oft nicht erstattet.
Zusätzliche Messungen können nötig sein, wenn Lebensumstände den Stoffwechsel weniger stabil machen und den Insulinbedarf im Einzelfall erhöhen oder erniedrigen können: akute Infekte, Bettlägerigkeit, Schwangerschaft oder vermehrte sportliche Betätigung. Fragen Sie Ihren Arzt, welche Extramessungen nötig sind.