Kraftvolle Knolle

Er würzt nicht nur Speisen. Seit der Antike wird das Zwiebelgewächs auch als Heilmittel genutzt

Kaum sind Professor Abronsius und sein Assistent Alfred durch Schnee und Eis nach Transsylvanien gereist, finden sie in einem Wirtshaus auch schon die ersten untrüglichen Indizien für Vampire: Zu dicken Zöpfen geflochten, hängen dicht an dicht Knofel-Knollen über jedem Tisch. Dass der intensive Geruch des Knoblauchs wie in dem Kult-Film „Der Tanz der Vampire“ böse Geister aller Art in die Flucht schlägt, ist im Volksglauben tief verankert.

Seit Menschengedenken werden dem Zwiebel- oder Lauchgewächs mit dem wissenschaftlichen Namen Allium sativum aber auch noch andere positive Kräfte zugeschrieben: Es soll desinfizieren, als natürliches Antibiotikum vor Infektionen schützen und das Blut verdünnen.

Tatsächlich gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass der tägliche Verzehr von Knoblauch gefäßschützend wirkt und Arteriosklerose vorbeugt. „Bei einem Menschen, der genetisch nicht vorbelastet ist, kann Knoblauch eine Senkung des Cholesterinspiegels von bis zu 30 Prozent erzielen“, sagt Professor Michael Keusgen vom Institut für pharmazeutische Chemie der Universität Marburg.

Außerdem hemme die Knolle die Verklumpung von Blutplättchen (Thrombozyten) in den Gefäßen. Keusgen erforscht vor allem asiatische, mit unserem heimischen Knoblauch verwandte Arten auf ihre Eigenschaften als „Radikalfänger“. Die Vermutungen, dass Knoblauch durch seine zellschützenden Eigenschaften das Auftreten bestimmter Krebserkrankungen verringert, sind bislang nicht ausreichend wissenschaftlich gesichert.

Schwefelhaltige Abwehrstoffe

Die heilsame Kraft des Knoblauchs liegt nach dem bisherigen Stand der Erkenntnisse vor allem in seinen schwefelhaltigen Inhaltsstoffen. Die wichtigste Rolle spielt Alliin, das bei einer mechanischen Verletzung des Fruchtfleisches durch das Enzym Alliinase in Allicin umgewandelt wird. Erst das Allicin verleiht dem Knoblauch seinen typischen Geruch – und damit seine Wirksamkeit. Die Pflanze setzt es als Abwehrstoff gegen Fraß-Attacken und Parasiten ein: Die Substanz tötet Bakterien und Pilze ab. Für Hunde, Katzen und Ziervögel ist die Knoblauch-Zwiebel übrigens giftig.

Das Allicin wird abgebaut zu weiteren schwefelhaltigen Verbindungen wie Ajoen und Diallyldisulfid. Sie wiederum blockieren bestimmte Enzyme, die zum Beispiel an der Entstehung von Cholesterin beteiligt sind. Zudem enthält Knoblauch wertvolle Mineralstoffe und Spurenelemente wie Selen.

Unzerkleinert sind die einzelnen Zehen des Zwiebelgewächses fast geruchlos. Wer von den gesundheitsfördernden Wirkungen der Pflanze profitieren will, kommt daher um ein deftiges Knofeln nicht herum. Vier Gramm frischen, rohen Knoblauch empfiehlt Experte Keusgen als Tagesdosis – entweder mit der Presse zerquetscht oder klein gehackt, denn nur auf diese Weise wird das Allicin freigesetzt. „Knoblauch zu kochen oder anzubraten hat keinen Sinn. Denn bei diesen Zubereitungsformen entstehen wieder andere Inhaltsstoffe“, schränkt er ein.

Dragees schützen vor der „Fahne“

Eine Alternative zum Rohverzehr sind Dragees aus frisch getrocknetem und dann pulverisiertem Knoblauch. Sie schützen vor der typischen „Fahne“ – wenn auch nicht komplett vor dem Geruch nach Knoblauch. Die Dragees besitzen einen magensaftresistenten Überzug, deshalb wird das Pulver erst im Dünndarm freigesetzt. So kann Allicin nicht mehr durch den Mund ausgeatmet werden.

Doch die Hautporen „dünsten“ bei Langzeitgebrauch trotzdem etwas aus: Sie geben eine bestimmte Schwefelverbindung des Knoblauchs ab. Es handelt sich dabei aber nicht um das Allicin, denn dieses wird im Organismus weiter verstoffwechselt.

Wie Sie sich ernähren sollen, und welches die richtigen Pflegeprodukte für Ihre Haut sind

Prof. Dr. Hans Meffert ist leitender Oberarzt der Hautklinik der Uniklinik Charité in Berlin. Er antwortet auf wichtige Patienten-Fragen zum Thema Schuppenflechte:

Wie soll ich mich ernähren?

Psoriasis (Schuppenflechte) hat nicht in erster Linie mit Nahrungsmittel-Unverträglichkeit zu tun. Doch können starker Alkoholkonsum oder scharf gewürzte Speisen im Einzelfall einen Schub auslösen. Wichtig ist, dass Sie auf Ihr Gewicht achten. Psoriasis bessert sich meist schon bei einer bescheidenen Gewichtsabnahme. Empfehlenswert sind energiearme Kost, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, wie sie in Fisch vorkommen (auch als Fischölkapseln aus der Apotheke), Karotten, Tomaten und frisches Obst.

Wie soll ich mich waschen?

Die nicht befallene Haut des Psoriasiskranken hält das Waschen genauso gut oder schlecht aus wie die eines so genannten Hautgesunden. Zum Entfernen der Schuppen ist kräftiges Bürsten aber nicht ratsam. Besser ist es, vor einer Salbenbehandlung zu baden oder – noch besser – einen Saunabesuch zu machen. Empfehlenswert sind rückfettende Badezusätze aus der Apotheke. Bereits Kleopatra bewahrte sich ihre Schönheit durch das Baden in Milch und Olivenöl. Wenn Sie sich ein Ölbad bereiten, sollten Sie keine zusätzliche Seife oder schäumende Zusätze verwenden (auch wenn sich dann ein Fettrand bildet). Nach dem Bad die Haut vorsichtig abtupfen, nicht frottieren, und dann die wirkstoffhaltige oder die Pflegesalbe auftragen.

Was sollte ich bei meiner Urlaubsplanung bedenken?

Meist verschlimmert sich der Hautzustand bei bereits ausgebrochener Psoriasis durch Kälte und eine niedrige Luftfeuchtigkeit. Warmes Wetter in Kombination mit maßvollem Sonnen und Baden in Salz was ser tut der Haut dagegen gut. Viele Patienten verbringen ihren Urlaub nach Art einer Kur. Angeboten werden solche Aufenthalte an der Ost- und Nordsee, im Mittel- und Hochgebirge sowie am Toten Meer. Auch in unseren Breitengraden sind viele Kurkliniken mit Anlagen zur Sole- und Lichtbehandlung der Psoriasis ausgestattet. Suchen Sie sich eine spezialisierte Kurklinik in einer als Urlaubsziel attraktiven Gegend aus, mieten Sie sich im Hotel oder einer Pension ein, und nutzen Sie bestimmte Angebote der Kurklinik als Externer.

Wie finde ich die richtigen Pflegeprodukte für meine Haut?

Fragen Sie Ihre Ärztin oder Apothekerin, die Kosmetikerin in der Hautarztpraxis, die Mitpatienten in der Selbsthilfegruppe, doch vertrauen Sie auf Ihr eigenes Urteil. Geeignet sind die Pflegeprodukte, die Sie auch nach längerer Zeit gern anwenden – weil angenehm, beruhigend und nicht hautreizend.

Hilft ein Entspannungs-Verfahren?

Die Veranlagung zur Psoriasis wird vererbt. Die genetische Bombe kann durch unterschiedliche Zünder zur Explosion gebracht werden. Einer davon ist Stress. Entspannungs- Verfahren machen Sinn, wenn Angst, Aufregung, Ärger, Überlastung oder Unzufriedenheit den Krankheitsverlauf offenbar ungünstig beeinflussen. Auch Juckreiz oder Schlafstörungen bessern sich.

Wie schaffe ich es, weniger Kortison zu benutzen, und wie lassen sich die Nebenwirkungen reduzieren?

Kortison ist ein segensreicher Wirkstoff. Angezeigt ist er jedoch nur in akut entzündlichen Phasen der Psoriasis. Man sollte ihn stets sparsam und nur in Kombination mit anderen (rezeptpflichtigen) Wirkstoffen – etwa mit Abkömmlingen des Vitamin A (Retinoide), des Vitamin D oder dem Wirkstoff Dithranol anwenden. So verringern Sie den Kortisonverbrauch: Kortisonsalbe wird nur mit Wissen des behandelnden Arztes und in der Regel nur einmal täglich dünn aufgetragen. Nach einigen Stunden mit einer Basissalbe nachcremen. Um Wirkverluste und Gewöhnung zu verhindern, sollte die Kortisonbehandlung wenn möglich regelmäßig unterbrochen werden. Anstelle der Wirkstoffsalbe wird dann mit dem Basispräparat eingecremt. Die Intervalltherapie verhindert oder verringert Kortison- Nebenwirkungen. Anzustreben sind kortisonfreie Intervalle von ein bis zwei Wochen. Praktikabel sind in der Regel kortisonfreie Wochenenden.

Überraschende Effekte

Medikamente können recht ungewöhnliche Nebenwirkungen aufweisen. Einige lassen sich vorteilhaft nutzen

So mancher, der sich von dem Mittel eine ruhige Nacht verspricht, erlebt das genaue Gegenteil: Spazierfahrten bei Mondschein, späte Fressattacken und heiße Liebesnächte gehören zum „Nebenwirkungsprofil“ von Zolpidem, einem häufig verschriebenen Schlafmittel. Seit einigen Jahren registrieren Experten seltene Fälle „komplexen Schlafverhaltens“ bei Einnahme des Medikaments: Statt anschließend friedlich zu schlummern, wandeln Patienten im Schlaf, führen dabei mitunter abenteuerliche Aktionen durch – und wissen am nächsten Tag nichts mehr davon.

Ungewöhnliche Wirkungen

„Solch paradoxe Effekte von Schlaf- und Beruhigungsmitteln treten allerdings sehr selten auf“, relativiert Professor Ulrich Voderholzer, Schlafmediziner von der Universität Freiburg, das Problem der ungewöhnlichen Nebenwirkung. Am häufigsten seien ältere Menschen betroffen. Offenbar legt das Mittel in Einzelfällen überwiegend hemmende Zentren des Gehirns „schlafen“. Das Ergebnis: eine Aktivierung.

Übersehene Raritäten

Dass derartige Phänomene in der vorklinischen Erprobung übersehen werden, sei dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit geschuldet und deshalb nicht zu verhindern, erklärt Professor Walter Müller, Direktor am Pharmakologischen Institut der Universität Frankfurt am Main: „An den üblichen Studien nehmen etwa 10 000 Personen teil. Da ist es sehr unwahrscheinlich, dass eine Nebenwirkung auffällt, die statistisch nur alle 100 000 Fälle vorkommt.“

Nicht ganz so selten ist der verblüffende Nebeneffekt bestimmter Parkinson-Medikamente. Doch mussten in diesem Fall Patienten und Ärzte das Problem erst einmal als solches erkennen. Durch sogenannte Dopamin-Agonisten geht es manchen Kranken nämlich zu gut: Die aktivierende Wirkung des Arzneimittels führt bei ihnen zu besessenem Verhalten. Sie kennen keine Risiken mehr und beginnen zum Beispiel mit exzessivem Glücksspiel. „Darüber muss besser aufgeklärt werden“, sagt Dr. Horst Baas, Direktor der Neurologie am Klinikum Hanau. Dem Parkinson-Spezialisten sind immerhin zwei Fälle mit „ruinösen Folgen“ bekannt.

Um auch ungewöhnliche oder seltene Nebenwirkungen zu erfassen, ist in Deutschland das Prinzip der Pharmakovigilanz etabliert: Ärzte sollen auf neu zugelassene Medikamente ein besonderes Augenmerk haben und auftretende Probleme an Pharmareferenten melden. Gelegentlich erschließen sich aus unerwarteten Eigenschaften eines Präparats völlig neue Einsatzgebiete: Bei dem Blutdruckmedikament Minoxidil fiel auf, dass es zu unerwünschtem Haarwuchs führen kann. Heute wird es auch als Mittel gegen Haarausfall eingesetzt.

Bestimmte Antidepressiva verzögern den Orgasmus, daher eignen sie sich zur Therapie des vorzeitigen Samenergusses. Das Potenzmittel Sildenafil wurde ursprünglich als Medikament gegen Lungenhochdruck entwickelt. Noch im Erprobungsstadium erfreuten sich zahlreiche Studienteilnehmer wieder längst verlorener Manneskraft – der Rest ist Geschichte.

Umstrittene Koma-Studie

Auch das aktivierende Potenzial von Zolpidem wollen sich einige Mediziner nun spektakulär zunutze machen. Der Brite Ralf Clauss und sein südafrikanischer Kollege Wally Nel glauben, mit dem Schlafmittel Koma-Patienten aufwecken zu können. Bei fast hundert auf diese Weise behandelten Menschen wollen sie eine zumindest zeitweise Verbesserung des Bewusstseinszustandes festgestellt haben.

Die Fachwelt ist jedoch skeptisch. Es handele sich womöglich um eine vorausgegangene Fehldiagnose bei den „Erweckten“, also um Personen, die gar nicht wirklich im Koma gelegen waren, glaubt der britische Rehabilitations-Spezialist Professor Mike Barnes. Auch Walter Müller hat Bedenken: „Komatösen ein Schlafmittel zu geben ist für mich nicht nachvollziehbar und am ehesten noch ein Kunstfehler.“

 

Die Heilkraft des Wassers

Kalt oder heiß, Wickel oder Guss – rund 120 Formen von Wasseranwendungen unterstützen den Organismus bei der Genesung

Sabine Wilke schwört bei Schmerzen auf die heiße Rolle – ein fest zusammengerolltes Handtuch, in das langsam heißes Wasser fließt und das dann sanft über die betroffene Körperpartie gerollt wird. „Bei Schmerzpatienten“, erklärt die leitende Physiotherapeutin an der Klinik und Poliklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der Universität München, „hat sich die feuchte Hitze vielfach bewährt.“

Andere mögen es lieber eisgekühlt, dampfend oder mit großem Druck. „Wasser beeinflusst den Körper in allen Temperaturen und Aggregatzuständen“, erklärt Wilke. „Je nach Behandlungsziel muss ich nur die richtige Anwendungsform wählen.“

Keine leichte Aufgabe – immerhin gibt es rund 120 Wasseranwendungen: Teil-, Voll- und Wechselbäder, Güsse, Wickel und Abreibungen, Dampf- und Bewegungsbäder. Das alles von eiskalt bis beinahe kochend heiß und für die verschiedensten Körperregionen. „Mit dem Wasser werden Naturreize wie Wärme, Kälte und Druck übertragen, die den Körper zur Selbstregulation anregen“, erklärt Dr. Heinz Leuchtgens, Präsident des Kneippärztebundes.

Seit sich Sebastian Kneipp Mitte des 19. Jahrhunderts mit regelmäßigen Bädern im eiskalten Fluss von einer schweren Lungentuberkulose kurierte, ist die Hydrotherapie untrennbar mit dem Namen des Allgäuer Geistlichen verbunden.

Auf ihn geht ein Großteil der heute gebräuchlichen Wasseranwendungen zurück, mit denen Physiotherapeuten und Ärzte in Reha- und Kurkliniken gute Erfolge erzielen. Schmerz- und Rheumapatienten profitieren ebenso wie Menschen mit Kreislaufproblemen, Venenleiden, psychovegetativen Beschwerden und geschwächtem Immunsystem.

„Die Leute fragen oft, wie ein und dieselbe Methode bei niedrigem und erhöhtem Blutdruck helfen kann“, sagt Leuchtgens. „Wasseranwendungen trainieren die Fähigkeit des Körpers, den Blutdruck selbst wieder richtig einzustellen.“ Kaltreize bewirken, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen. Bei der Anwendung warmen Wassers erweitern sich die Hautgefäße, und die Muskulatur wird stärker durchblutet. Der Wechsel zwischen warm und kalt aktiviert die Gefäßmuskulatur, sodass sich die Arterien besser öffnen und schließen.

Entlastung für die Gelenke

Solches Gefäßtraining kommt auch Patienten zugute, die zum Beispiel an entzündlichem Gelenkrheuma, Arthrose oder Rückenbeschwerden leiden.

„Gut durchblutete Muskeln können ein entzündetes Gelenk entlasten“, sagt Kneipp-Experte Leuchtgens. „Außerdem verbessert sich der Nährstofftransport in den Gelenkknorpel.“ Schmerzpatienten empfinden Kälte häufig als wohltuend: „Der Kältereiz überlagert das Schmerzempfinden“, erklärt Sabine Wilke.

Bei akuten Schmerzen und entzündlichen Prozessen empfiehlt die Physiotherapeutin eher Kälte, bei chronischen, degenerativen Beschwerden dagegen Wärme. „Verallgemeinern kann man das jedoch nicht“, betont sie. Therapeut und Patient müssen gemeinsam die beste Lösung finden.

Bei der Behandlung von Bewegungseinschränkungen und Gelenkversteifungen machen Physiotherapeuten sich eine weitere Eigenschaft des Wassers zunutze: „Durch die Auftriebskraft und die Wärme im Wasser“, erklärt Wilke, „können sich die Patienten leichter bewegen.“ Der Reibungswiderstand im Bewegungsbad eigne sich zudem gut für Kräftigungsübungen. „Und gegen den Wasserdruck anzuatmen“, sagt die Physiotherapeutin, „trainiert die Atmung.“

Auch bei Störungen des vegetativen Nervensystems lohnt sich ein Versuch mit dem erfrischenden Nass, etwa bei Nervosität, Schlafstörungen oder nervösen Verdauungsstörungen. „Wenn es gelingt, mit Kneipp-Anwendungen ein besseres Körpergefühl zu bekommen“, sagt Leuchtgens, „wirkt sich das günstig auf das vegetative Nervensystem aus.“

Auch das Immunsystem profitiert

Was Kneipp „Abhärtung“ nannte, lässt sich heute mit wissenschaftlichen Methoden erfassen. Eine Studie des Kompetenzzentrums für Naturheilverfahren der Universität Jena an Patienten mit chronischer Bronchitis ergab, dass regelmäßige Kaltwassergüsse die Häufigkeit der Infekte senkten und die Zahl der weißen Blutkörperchen um 13 Prozent erhöhten.

 

Vitamine, Enzyme und Extrakte aus Heilpflanzen können entzündliche Gelenkbeschwerden spürbar lindern

Patienten mit chronisch- entzündlichen Gelenkbeschwerden müssen meist lebenslang Medikamente aus dem Chemielabor einnehmen. Doch die Natur bietet Alternativen, zum Beispiel um außerhalb von akuten Schüben Probleme besser in den Griff zu bekommen. Das hilft, die Beweglichkeit der betroffenen Gelenke zu erhöhen. Durch die unterstützende Anwendung von Heilpflanzen und die richtige Ernährung erhalten viele Patienten das Gefühl, ihre Beschwerden besser kontrollieren zu können und nicht ausschließlich von starken Medikamenten abhängig zu sein. Außerdem lässt sich von Fall zu Fall der Arzneimittelverbrauch reduzieren und dadurch die Verträglichkeit schulmedizinischer Präparate verbessern. „Die Hauptzielrichtung ergänzender Behandlungsverfahren in der Rheumatherapie sind die Symptome der Erkrankung“, stellt Dr. Reinhard Hein, Internist, Rheumatologe und Arzt für Naturheilverfahren in Nienburg, fest. „Gegen die Ursachen der Erkrankungen können sie nicht angehen.“

Was Ernährung bewirkt

Antioxidanzien:

Pflanzliche Nahrungsmittel enthalten eine Reihe von entzündungshemmenden Stoffen. Dazu gehören Vitamin E, Vitamin C sowie die sekundären Pflanzenstoffe Karotin und Lycopin. Sie zählen zu den „Antioxidanzien“, die bei allen Stoffwechselvorgängen anfallende zellschädigende Sauerstoffradikale abfangen können. Ein starkes Antioxidans ist Vitamin E, das reichlich vorhanden ist in Nüssen, Sonnenblumen- und Weizenkeimöl, in Grünkohl, Soja und Weizenkeimlingen. Den Bedarf gesunder Menschen deckt eine ausgewogene Kost. Als Medikament zur Behandlung von entzündlich- rheumatischen und verschleißbedingten Erkrankungen wird Vitamin E in höherer Dosierung ergänzend eingesetzt. In Kombinationspräparaten sind Vitamin E und andere Zellschützer wie Selen, Zink, Vitamin C, Karotin und Lycopin enthalten. Omega-3-Fettsäuren verringern die Bildung schmerzauslösender Prostaglandine in einem akuten Entzündungsprozess. Prostaglandine bilden Entzündungszellen aus einer bestimmten Fettsäure, der Arachidonsäure, die vor allem in fettem Fleisch und Wurstwaren enthalten ist.

Aus diesem Grund sollten sich Rheumapatienten einerseits fleisch- und wurstarm ernähren, andererseits reichlich Omega-3-Fettsäuren zu sich nehmen. Diese stecken vor allem in fettem Seefisch, aber auch in Meeresfrüchten wie der Grünlippmuschel. Für eine entzündungshemmende Wirkung sind in der Regel Präparate empfehlenswert, die Omega-3-Fettsäuren aus Fisch oder Muscheln in ausreichender Menge enthalten.

Enzyme sind Eiweißmoleküle, die in jedem Organismus vorkommen. Bei Gelenkbeschwerden besitzen sie eine abschwellende und schmerzlindernde Wirkung. Für Patienten mit entzündlichem Gelenkrheuma ist es sinnvoll, die Arbeit der Enzyme zu unterstützen. Präparate aus der Apotheke enthalten eine Kombination aus Enzymen pflanzlicher (Bromelain und Papain) und tierischer Herkunft (zum Beispiel Pankreatin oder Trypsin).

Wie Heilpflanzen helfen

Weidenrinde enthält mit Salicin und Salicortin schmerz- und entzündungshemmende Substanzen. Auch salicylsäurehaltige Umschlagspasten, die je nach Bedarf für kühlende oder wärmende Wickel verwendet werden können, haben sich gegen entzündliche Schmerzen etwa in Hand-, Knie- oder Fußgelenken bewährt und können die bei Arthritis eingeschränkte Beweglichkeit wieder verbessern. In Umschlagpasten stecken außerdem Beinwell und schmerzlindernder Arnika-Extrakt.

Teufelskralle:

Extrakte aus der Wurzel der Teufelskralle lindern Entzündung und Schmerz. Ihre Hauptinhaltsstoffe sind die Harpagoside, die auf schmerzvermittelnde Botenstoffe einwirken. Sie sind bei Arthritis als Tabletten und Kapseln verfügbar. Auch bei degenerativen Gelenkbeschwerden (Arthrose) ist die Wirkung der Teufelskralle wissenschaftlich erwiesen.

Brennnesselblätter:

Die Blätter der Brennnessel hemmen die Bildung entzündungsfördernder Substanzen wie Zytokinen. Sie werden als Presssaft oder Kapseln angeboten. Werden Brennnessel- Präparate angewendet, können Arthritis-Patienten nach Absprache mit dem Arzt häufig die Dosis chemischer Medikamente heruntersetzen.

Cayennepfeffer:

Der Hauptwirkstoff des Cayennepfeffers ist Capsaicin. Es beeinflusst die Wahrnehmung und Weiterleitung von Schmerzen. Daher kann es bei Schmerzen des Bewegungsapparates als Salbe, Emulsion oder Wärmepflaster angewendet werden.

Arnika-Extrakt lindert in Salben, Gelen, Fluids und öligen Auszügen entzündliche Gelenkschmerzen. Zu den wirksamen Inhaltsstoffen der gelb blühenden Gebirgspflanze gehören zum Beispiel Helenalin-Derivate.

Kombinations-Präparate

Tinkturen mit Zitterpappelrinde (Espe), Esche und Goldrute wirken bei der unterstützenden Behandlung von Gelenkbeschwerden schmerzlindernd, abschwellend und entzündungshemmend. Je nach Bedarf nimmt der Patient drei- bis viermal täglich 20 bis 30 Tropfen des Präparats ein. Ein aus der Berberitze und dem Giftsumach gewonnenes Komplexmittel hat nach dem homöopathischen Arzneibild eine entzündungshemmende, abschwellende und schmerzlindernde Wirkung.