Kontaktlinsen

Kontaktlinsen – behalten Sie den Durchblick

Gewissenhaftigkeit ist für Kontaktlinsenträger oberstes Gebot – zumindest bei der täglichen Reinigung ihrer Sehhilfen samt Aufbewahrungsbehälter.

Zu diesem Schluss kommen österreichische Forscher, die die Wirkung von Kontaktlinsenreinigern auf den Einzeller Acanthamoeba untersuchten. Dieser hält sich im feuchten Milieu auf und löst eine schmerzhafte Augeninfektion aus. Ergebnis: Nicht immer töten die Mittel alle Krankheitserreger ab. In der im ”British Journal of Ophthalmology” veröffentlichten Studie schnitten zweistufige Wasserstoffperoxid-Reinigungssysteme – bestehend aus Desinfektionslösung und Neutralisationsmittel – am besten ab.

Wie die Deutsche Augenärztliche Kontaktlinsengesellschaft betont, geht von täglich gereinigten und desinfizierten Kontaktlinsen kein Gesundheitsrisiko aus. Die Augenärzte empfehlen jedoch, die Linsen nicht mit Leitungswasser, sondern mit steriler Kochsalzlösung abzuspülen.

Um das Infektionsrisiko durch Bakterien, Pilze und Einzeller zu minimieren, genüge eine dreistündige Lagerung in dreiprozentiger Wasserstoffperoxid-lösung. Allerdings sollten Kontaktlinsenträger bei der Wahl eines geeigneten Pflegesystems ihren Augenarzt zu Rate ziehen.

Bei Schnupfen: Linsenpause!

Das gilt für korrigierende Linsen genauso wie für modische, farbige oder gemusterte Linsen. Weil sich bei einer Erkältung oft auch die Bindehaut entzündet, ist es besser in dieser Zeit auf die Brille auszuweichen bzw. auf das modische Accessoire zu verzichten. ”Bei einer Bindehautentzündung müssen die Linsen sowieso raus,” meint Frau Dr. Theresa Ring von der Kontaktlinsenambulanz der Augenklinik der Ludwigs-Maximilians-Universität in München. ”Beim Schnupfen besteht dazu noch die Gefahr, dass die Erreger über die Tränenwege von der Nase hoch ins Auge wandern. Die Tränenwege stehen ja über den Tränensack mit der Nase in Verbindung. Oft ist auch der Tränenabfluss gestört, die Erreger sammeln sich im Bindehautsack an und gehen dann auf die Linsen über. Gerade weiche Kontaktlinsen, die einen hohen Wassergehalt haben und Proteine, also Eiweiße binden, bieten den Erregern dann geradezu ideale Lebensbedingungen.”

Medikamente: Vorsicht Wechselwirkung!

Auch Medikamente können ”Linsenträgern” Probleme bereiten. Das gilt nicht nur für Augentropfen, sondern ebenso für Medikamente, die eingenommen werden und in den Tränenfilm übergehen, beispielsweise für den schmerzlindernden und fiebersenkenden Wirkstoff Acetylsalicylsäure. Vor allem weiche Kontaktlinsen können Stoffe anreichern. ”Die Wirkstoffe lagern sich in das Material weicher Kontaktlinsen ein und können dann das Auge reizen. Weiche Linsen saugen die Stoffe regelrecht auf. Daher sollte man sie vor dem Eintropfen der Mittel aus dem Auge nehmen. Harte Linsen dagegen bereiten hier in der Regel keine Probleme” weiß Frau Dr. Ring. ”Es gibt sehr viele Mittel, die man auch ins Auge tropfen kann, wenn die harte Linse getragen wird.”

Unverträglichkeiten: Oft sind Konservierungsstoffe schuld

Dr. Ring rät, bei Augentropfen prinzipiell darauf zu achten, ob sie Konservierungsstoffe enthalten: ”Gundsätzlich kann man bei harten Kontaktlinsen so gut wie alle Augentropfen verwenden, solange diese frei von Konservierungsstoffen sind. Gerade diese Substanzen sind es nämlich, die Allergien auslösen können, weniger die wirksamen Inhaltsstoffe selbst.” Auch bei Nachbenetzungslösungen, also dem Tränenersatz, den gerade Kontaktlinsenträger bei trockenen Augen brauchen, empfiehlt Dr. Ring, darauf zu achten, dass sie keine Konservierungstoffe enthalten. ”Dann können Nachbenetzungslösungen auch auf weiche Linsen getropft werden”.

Augentropfen: Der Linsentyp entscheidet

Wer häufig Augentropfen anwenden muss, sollte wissen, dass weiche Linsen in der Regel empfindlicher reagieren als harte. Am besten ist es, Kontaktlinsen – egal ob hart oder weich – vor dem Tropfen vorsichtshalber aus dem Auge zu nehmen:

Für harte Kontaktlinsen gilt: Etwa eine Viertelstunde nach dem Eintropfen können Sie die Linsen wieder einsetzen.
Bei weichen Kontaktlinsen, sollte man mindestens 30 Minuten warten.

Pille und Schwangerschaft: trockene Augen, Probleme mit Kontaktlinsen

”Es gibt Medikamente, etwa östrogenhaltige Mittel wie die Pille, die die Tränenproduktion hemmen” so Frau Dr. Ring. Das Auge wird trocken und besonders leicht durch die Linsen gereizt. Auch durch die Hormonumstellung während der Schwangerschaft kann sich die Zusammensetzung des Tränenfilms verändern. Er kann dann leichter aufreißen, so dass trockene Stellen auf der Hornhaut entstehen. ”Trockene Augen sprechen aber nicht grundsätzlich gegen Kontaktlinsen” versichert Dr. Ring. ”Da reagiert jeder anders. Ich kenne Patienten mit trockenen Augen, die schon lange Linsen tragen und damit keine Problem haben.”

Welcher Linsentyp ist der richtige?

”Wer dauerhaft, also jeden Tag viele Stunden lang, Kontaktlinsen tragen möchte, dem raten wir in der Augenklinik grundsätzlich zu harten Linsen. Sie sind in der Regel auf Dauer verträglicher und hygienischer in der Handhabung als weiche Linsen. Weil sie einen kleineren Durchmesser haben, wird die Hornhaut weniger stark bedeckt und es gelangt mehr Tränenflüssigkeit und Sauerstoff ans Auge – auch wenn die Materialien heute natürlich allgemein viel besser geworden sind und generell eine sehr hohe Sauerstoffdurchlässigkeit besitzen” betont Dr. Ring. Weiche Linsen sind dagegen ideal für Gelegenheitsträger. Wer beispielsweise einmal die Woche den ”Durchblick” zum Schwimmen oder Tennisspielen braucht, für den empfehlen sich Monats- oder auch so genannte Einmal-Linsen, die man nach Ablauf der Zeit oder nach Gebrauch wegwirft. Und wie steht´s mit den Kosten? Mit einem Vorurteil kann Theresa Ring aufräumen: ”Rechnet man einmal alle Kosten für die Linsen einschließllich der Pflegemittel zusammen, unterscheiden sich bei häufigem Gebrauch die Monatslinsen nicht von den harten Kontaktlinsen.