Fibromylagie

Unerklärliche Schmerzen

Rund drei Millionen Deutsche leiden an Fibromyalgie, einer nicht entzündlichen Form von Weichteilrheumatismus. Was ist Fibromyalgie genau, Warum ist es so schwer zu diagnostizieren und was kann man dagegen tun

Die meisten Patienten sind Frauen. Diese Besonderheit wird unter anderem mit hormonellen Umstellungen zu Beginn der Wechseljahre erklärt. Betroffene haben Schmerzen im Nacken, am Rücken, in Armen und Beinen, am ganzen Körper. Oft beginnt das Leiden Ende 30 und wird erst Jahre später, nach Ausschluss anderer Krankheiten, diagnostiziert.

Beschwerden:

Die Fibromyalgie entwickelt sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg. Bei etwa der Hälfte aller Patienten sind dabei Wellenbewegungen mit zeitweiliger Verbesserung und Verschlechterung festzustellen. Im Tagesverlauf sind die Beschwerden meist morgens am schlimmsten, besonders stark zeigen sich die Symptome im Frühjahr und Herbst. Betroffene leiden unter diffusen (dumpfen, brennenden) Schmerzen, die hauptsächlich im Kreuz und an der Halswirbelsäule auftreten, aber auch an Schultern, Ellenbogen und Händen, an Knien und Sprunggelenken, an Hinterkopf und Brustbein, im Gesicht und am Kiefer. Das Zentrum liegt dabei fast immer in der Nähe von Gelenken, wobei diese selbst nicht beeinträchtigt werden.

Hinzu kommt eine ganze Reihe weiterer Symptome, die nicht zwangsläufig zum Krankheitsbild gehören, etwa Kopfschmerzen, Taubheitsempfinden an Händen und Füßen, Magen-Darm-Beschwerden, Menstruationsschmerzen, Herzjagen, das Gefühl von Atemnot. Außerdem klagen viele Patienten über erhöhte Schmerzempfindlichkeit, Angstgefühle und Depressionen.

Weil sich die Schmerzen nicht nur beim Sitzen, sondern auch bei längerem Liegen verstärken, leiden viele Fibromyalgie-Kranke unter Ein- und Durchschlafstörungen sowie den damit verbundenen Erschöpfungszuständen und Konzentrationsschwierigkeiten. Diese Fülle an Beschwerden macht es ihnen schwer, ein normales Leben zu führen – im Berufsleben wie auch in der Freizeit.

Ursachen:

Welche Ursachen die Fibromyalgie hat, ist derzeit nicht gesichert.
Verschiedene Auslöser werden diskutiert: Stress im häuslichen Alltag und im Beruf, schwere (andere) Krankheiten, starkes Übergewicht und Fehlhaltungen, körperliche wie seelische Schocks (ein selbst erlebter Unfall ebenso wie ein Todesfall in der Familie).
Die Forschung hat ein paar weitere „Verdächtige“ im Visier, etwa Stoffwechselstörungen, eine zu niedrige oder zu hohe Kortisol-Produktion, eine Art Energiekrise in der Muskulatur, unregelmäßige Blutzirkulation in bestimmten Gehirnabschnitten sowie eine spezielle Form von zu niedrigem Blutdruck.

Eventuell dringen auch Stoffwechselprodukte aus den Muskelfasern und reizen die Schmerzfasern. Und um das Verwirrspiel zu vollenden, kann die Krankheit offenbar auch ohne jeglichen ersichtlichen Grund ausbrechen.

Der Begriff Fibromyalgie setzt sich aus dem lateinischen „fibra“ und den griechischen Vokabeln „mys“, „algos“ und „ia“ zusammen. Wörtlich bedeutet das Fasermuskelschmerzzustand. Bekannt waren derartige Schmerzen bereits in der Antike. Vor rund 200 Jahren wurden erstmals die für diese Krankheit typischen Tender points (Schmerzpunkte) erwähnt, 1968 erste Fälle konkret beschrieben.

Dass es sich um eine nicht entzündliche Form von Muskelrheumatismus handelt, wurde den Medizinern erst 1980 klar. Vor gut zehn Jahren schließlich erkannte die Weltgesundheitsorganisation WHO die Fibromyalgie, seltener auch als Fibrositis oder Generalisierte Tendomyopathie (GTM) bezeichnet, offiziell als Krankheit an.

Diagnose:

Im Normalfall wird ein Arzt auf Grund der zahlreichen und unspezifischen Symptome zunächst eine ganze Reihe anderer möglicher Krankheiten vermuten. Erst wenn diese mit Hilfe geeigneter Untersuchungen (z.B. Labortests, Ultraschall, Röntgenaufnahmen, Kernspintomographie) ausgeschlossen werden konnten, wird der Mediziner anhand eines relativ einfachen Tests versuchen festzustellen, ob seine Patientin bzw. sein Patient unter Fibromyalgie leidet:

1. Treten seit mehr als einem Vierteljahr diffuse (dumpfe, brennende) Rückenschmerzen auf?

2. Hat der Patient außerdem Schmerzen in den Armen oder Beinen?

3. Sind die meisten der typischen Schmerzdruckpunkte (Tender points) bei ihm schmerzempfindlich?

Lautet die Antwort auf alle drei Fragen „Ja“, liegt die Diagnose Fibromyalgie relativ nahe. Bei einem Nein muss die Diagnose anhand weiterer Fragen weiter eingegrenzt werden.

Behandlung:

Fibromyalgie ist eine chronische Erkrankung. Weil die Symptome oft sehr unspezifisch sind, wird in den meisten Fällen zunächst eine ganze Reihe anderer Diagnosen gestellt. Bis sich das Krankheitsbild so deutlich ausgeprägt hat, dass es eindeutig diagnostiziert werden kann, vergeht in der Regel ein Zeitraum von bis zu zehn Jahren.

Weil es sich um einen nicht entzündlichen Weichteilrheumatismus handelt, helfen Rheumamittel nicht; dasselbe gilt für Kortisonpräparate, Schmerzmittel und – bis auf wenige Ausnahmen – muskelentspannende Medikamente. Bewährt haben sich einige niedrig dosierte Antidepressiva. Manch einem verschaffen Massagen und Wärmebehandlungen mit Fango Linderung, anderen ein Besuch in der Kältekammer. Auch Dehnübungen und Entspannungstraining, Kurse zur Körperwahrnehmung oder Gesprächsrunden mit einem Psychologen zum Umgang mit der Fibromyalgie im Alltag können helfen.

In Erprobung befinden sich Medikamente, die Überträgerstoffe (Serotonin) im Gehirn beeinflussen sollen. Das Ziel: Schmerzfreiheit und ruhiger Schlaf.